Jos kleiner Digitalkamera-Kaufratgeber
(Stand 10.4.2005. Diese Version ist nur vorläufig und noch etwas "trocken", ohne Bilder und Links.)


Ich versuche den Markt einmal in Marken und Klassen einzuteilen, logischerweise ist das subjektiv geprägt:
1) Qualitative Spitzenreiter bei Kompakten sind (im Schnitt, also nicht bei jedem Modell) Canon, Nikon, Sony, Olympus, Minolta, Fuji
2) Geringfügig darunter kommt Casio, Kodak, HP, Ricoh/Rollei, JVC, Sanyo, Kyocera, Panasonic, Pentax, Sharp, Toshiba
3) Deutlich darunter, dafür aber eben auch deutlich preiswerter kommen die Aldi-Marken wie Traveler, Jenoptik, Medion, Tevion, Benq, Jay-Tech, Maginon
4) Nochmal darunter Yakumo, Mustek, Aiptek

Ich selbst würde bedenkenlos zu einer aus den ersten beiden "Klassen" greifen, die Unterschiede der zweiten zu ersten "Klasse" sind meist sehr gering, dafür ist die zweite im Schnitt günstiger als ein bekannter Markenname wie Canon oder Nikon. 3) und 4) würde ich nicht nehmen, auf dem Papier scheinen die meist dasselbe zu können und viel billiger, aber in der Realität hapert es dann an der Qualität und an der richtigen Abstimmung der einzelnen Bauteile. Z.B. bringt ein 5 oder 6 Megapixelsensor in einer Aldikiste nix, wenn die Optik so schlecht ist oder so schlecht auf den Sensor abgestimmt (und das ist sie meist), daß sie diese 5/6 MP nichtmal wiedergeben kann. Dann macht eine 2-3 MP Markenkamera mindestens genauso gute/detailreiche oder gar bessere Bilder und kostet auch nicht mehr.
Aber grottenschlecht oder ein völliger Fehlkauf sind diese Billigmarken auch nicht bzw. nicht mehr, wie oft behauptet wird. Sie bieten aber auch nicht mehr für's Geld, weil eben eine preiswerte Markencam mit weniger MP fürs gleiche Geld meist mind. gleich gut ist.

Jetzt eine logische Gruppeneinteilung:

1) Der "Bodensatz"
Merkmale: Ohne optisches Zoom, meist mit Fixfokus
Preise: Meist unter 100 Euro
Meine Meinung: Vergessen, vergleichbar mit besseren Kamerahandies. Es gibt zwar auch ein paar teure Edelmodelle einiger Markenhersteller, aber die bieten kaum Vorzüge zu Modellen mit optischem Zoom und mehr Ausstattung, die es inzwischen auch sehr klein und nicht teurer gibt.

2) Die "Hosentaschen-Minis"
Merkmale: Sehr klein, kompakt und edel (oft Metallgehäuse), meist mit 3fach Zoom, meist eingeschränkter Funktionsumfang und wenig manuelle Einflußmöglichkeiten (z.B. oft kein manueller Fokus/Belichtung/Blitz), meist kein Blitzanschluß, Bedienung oft wegen Größe bzw. kleiner Tasten etwas fummlig
Preise: 200-400 Euro
Typische Vertreter: Canon Ixus, Casio Exilim, Pentax S-Serie
Meine Meinung: Schicke Designerspielzeuge, teurer als größere vergleichbare Kameras (Design und Größe wird mitbezahlt), meist geringfügig schlechter (aber nicht mehr viel) in Bildqualität oder z.B. Rauschen, gut wenn die Größe wirklich wichtig ist, z.B. für eine Zweitkamera bzw. um sie wirklich immer(!) dabei zu haben, nach dem Motto besser nur ein mittelgutes Bild als gar keins.
Meine persönliche Empfehlung: Canon Ixus-Serie, Bildqualität und Funktionsumfang etwas höher als bei der Konkurrenz, dafür immer noch verhältnismäßig langsam im Vergleich zur Konkurrenz bei Autofokus oder Einschaltzeit. Die Konkurrenz ist aber auch ok.

4) Die "Jackentaschenkameras": Etwas größer, oft mit 4 Mignonzellen, meist mit (relativ dummem) Blitzanschluß, sonst vollständiger Funktionsumfang
Preise: ab 150-300 Euro
Typische Vertreter: Canon A-Serie, quasi der Golf bzw. Urvater dieser Gruppe
Meine Meinung: Bester Kompromiß aus allen Typen, meist gute Bildqualität und vollständiger Funktionsumfang bei immer noch kompakter Größe, dabei bestes Preis-Leistungsverhältnis. Dafür manchmal ein recht langweiliges altbackenes Design und oft einfaches Kunststoffgehäuse, halt kein edler Mini, kein Monsterzoom und keine Profikamera, Golfklasse eben
Meine persönliche Empfehlung: Canon A-Serie, sehr gute Bildqualität, bester (manueller) Funktionsumfang, endlose Akkulaufzeit, sehr günstig, inzwischen sogar mit 4fach Zoom, dafür auch hier Canon immer noch verhältnismäßig langsam im Vergleich zur Konkurrenz bei Autofokus oder Einschaltzeit. Aber es gibt hier auch viele andere Gute, der Markt ist hier sehr umfangreich und kaum ein Modell mehr grottenschlecht.

3) Die "Jacke-oder-Hose?-Minis"
Merkmale: Meist 3fach Zoom, Größe zwischen den Designer-Minis und den Jackentaschenkameras, dafür meist mit mehr (manuellen) Funktionen oder preiswerter als die Designer-Minis, meist kein Blitzanschluß
Preise: ab 200-500 Euro
Typische Vertreter: z.B. Canon S-Serie (außer S1)
Meine Meinung: Kompromiß zwischen den - für manchen - schon etwas fitzligen und teureren Designer-Minis und den - für manchen - zu großen Jackentaschenkameras.
Meine persönliche Empfehlung: Keine spezielle, der Markt ist auch hier einfach zu umfangreich und hat kaum mehr wirklich Schlechte.

5) Die "Zoommonster":
Merkmale: Etwa wie die Jackentaschenkameras aber meist mit 8-12fach Zoom und größer&tiefer, manche mit Bildstabilisator
Preise: ab 300-500 Euro
Typische Vertreter: Olympus C-7xx Serie, Canon S1, Minolta Z-Serie
Meine Meinung: Die Zoomonster wären eine preiswerte und kompakte Alternative zu Spiegelreflex, wenn man großen Zoombereich braucht (z.B. Tiere, Sport). Nur sind dafür meist Autofokus und Sucher unzureichend, außerdem braucht 90% der Käufer dieser Kameras den Zoombereich gar nicht: Man läßt sich von Zoombereich (und Megapixeln) blenden, dabei wäre eine kompaktere und billigere 3fach Zoom Kamera für die meisten völlig ausreichend, der Zoom wird nach der ersten Euphorie von vielen kaum mehr benötigt. Unverzichtbar ab 200mm: Bildstabilisator, Zoommonster ohne sind in meinen Augen sinnlos.
Meine persönliche Empfehlung (auch wegen Bildstabi): Canon S1 (hat außerdem einen der besten Videomodi überhaupt), Minolta Z3 oder Z5

6) Die "Semiprofis": Vollständiger, manchmal fast erschlagender Funktionsumfang speziell an analoge Kameras angelehnt (Zeit/Blendenautomatik, Belichtungs- und Blitzkorrektur, manueller Fokus und manchmal gar manueller Zoom, vollwertiger externer Blitzanschluß, etc.), Display und Sucher sehr hochwertig, mittelgroßer Zoombereich (4-7fach), seit 1-2 Jahren oft mit 28mm Weitwinkel.
Preise: 500-900 Euro
Typische Vertreter: Canon G-Serie, Minolta Axxx, Sony F828.
Meine Meinung: Wer hohe Ansprüche oder schon größere Vorkenntnisse aus der Analog- bzw. Spiegelreflexfotografie hat, bekommt hier sehr viel für wenig Geld (im Vergleich zu einer kompletten digitalen Spiegelreflexausrüstung) mit idealem Zoombereich, dazu sehr kompakt (zu Spiegelreflex) und den üblichen digitalen Vorteilen zu analog.
Meine persönliche Empfehlung: Genau die drei erwähnten:
Minolta A2: Bester Funktionsumfang, beste Bedienung, manueller Fokus&Zoom, bester Sucher, noch relativ klein&leicht, Bildstabi , Weitwinkel, dafür Bildqualität und Rauschen etwas schlechter
Sony F828: Schnellster Autofokus, beste Verarbeitung, manueller Fokus&Zoom, Weitwinkel, dafür recht groß und sehr schwer und etwas zu viel chromatische Aberrationen (lila Farbsäume an starken Hell-Dunkel-Kontrastkanten)
Canon G6: Beste Bildqualität, klein&kompakt&leicht, preiswert, dafür optischer Sucher und kein Weitwinkel

Dazwischen gibt es natürlich Mischformen, die ein bißchen von mehreren Klassen haben, so gab es z.B. von Panasonic und Minolta semiprofessionelle Kameras wie FZ-xx und A1/A2, die später dann auch mit abgespecktem Funktionsumfang oder weniger Megapixeln aber dafür günstiger als extra Modell angeboten wurden.
Außerdem gibt es natürlich spezielle Funktionen, die nur manche haben bzw. wo manche Kameras bzw. Marken besser sind, wie Video, Bildstabilisator, schnelle Einschalt- und Auslösezeit oder z.B. Weitwinkel, wo es außerhalb der großen "Semiprofis" nur eine Hand von Modellen gibt, da fällt die Auswahl dann zwangsweise leicht.

Die Entscheidung sollte am besten auch durch eigenes Anfassen/Spielen und Vergleichen mit diversen Modellen fallen, dann merkt man erst, wie gut oder schlecht für einen selbst bestimmte Leistungen eines Modells im Vergleich zur Konkurrenz sind und es zeigen sich oft erst dabei persönliche Präferenzen, die man bzw. ein anderer kaum vorher objektiv bewerten kann.
Sinnvolle, objektive und ausführliche Testberichte (in Englisch und leider nicht alle Marken bzw. Modelle) gibt es z.B. bei dpreview
Allerdings sollte man sich zwischen "Highly recommended" und "Recommended" nicht zu verrückt machen, die Einstufung in die eine oder andere Gruppe ist oft sehr knapp oder nur wegen einiger kleiner Features, die man selbst vielleicht anders gewichten würde. Unterhalb von "Recommended" würde ich dort aber keine empfehlen.

Ach ja, auch wenn ich vermute, daß das bekannt ist, die Megapixel sind etwa so wichtig wie die PS beim Auto. Für gute Bilder/Abzüge bis DIN A4 reichen schon 2 Megapixel (auch wenn kaum eine aktuelle gute Kamera mehr so wenig hat). Im Zweifelsfall bzw. wenn es z.B. ein Vorgängermodell mit weniger MP und einen Nachfolger mit mehr MP gibt, sie aber ansonsten identisch erscheinen, würde ich sogar das Modell mit weniger MP bevorzugen, nicht nur wegen dem Preis. Oft wird die Bildqualität mit steigenden MP sogar schlechter (weil der Sensor an sich gleich groß bleibt, nur die Pixeldichte steigt) oder das Zusammenspiel zwischen Sensor und Objektiv oder Porzessor verschlechtert sich, weil ja ursprünglich für den Sensor mit weniger MP konstruiert. Bekannte "Schüsse in den Ofen" dafür: Canon S50 und G5, Minolta A2, Sony F828 wären alle mit weniger MP besser.
Ausschnittsvergrößerungen wegen größerer Auflösung kann man leider auch fast vergessen, da geht nichts über optisches Zoom. Für Ausschnittsvergrößerung über die Auflösung müßte diese ja quadratisch steigen. Meine alte Kamera hatte z.B. 3 MP, wenn ich da jetzt denke "Ok, bei der neuen wäre eine 2mal höhere Ausschnittsvergrößerung aus der höheren Auflösung nett..." liefe das auf ein Profimodell mit 3 MP x 2hoch2 = 12 MP für zwei Monatsgehälter hinaus. Und ob die Optik dann überhaupt diese Auflösung auch den Sensor weitergeben kann, sei dahingestellt, bei einer kleinen Kompakten ganz sicher nicht (siehe Aldi...).
Wenn allerdings noch mehr optimiert bzw. angepaßt wurde und es entscheidenen neue Features gibt oder objektive Tests sagen, daß neue Modell ist in der Bildqualität sogar besser (passiert auch gelegentlich), dann ist auch das ok.