Eindrücke Dez 2005/Jan 2006 aus der Sierra Ecuadors

(Thumbnails zum Draufklicken)


Quito und Sierra bis Baños


Einige neue Kuriositäten für ein Drittweltland in Quito: Teleferico/Seilbahn (erbaut 2005) nahe dem Vulkan Pichincha und Las Antenas, Radwege in Quito und ein Lichter-Belén (Weihnachtskrippe) auf dem Panecillohügel:



Viehmarkt in Saquisili:



Ambato und seine Schokoladenproduktion:
Typisch für Ambato und berühmt in ganz Ecuador die Vielzahl kleiner alteingesessener Trinkschokoladefabriken.
Das Rohmaterial, Schälen, Rösten, Mischung, große und kleine Platten formen, Abkühlen, Verpacken:

Die hygenischen Bedinungen hier sind eher typisch für Ecuador, der Geschmack dieser (Nobel!)Marke war dagegen grausam, wie wir leider erst zu Hause merkten...


Baños de Agua Santa und Provinz Tungurahua


In Baños:


Um Baños herum:


Die typischsten Produkte von Baños: Melcoche oder Alfenique und Caña (Zuckerrohr). Man kann direkt Zuckerrohrstücke zerkauen und aussaugen, in der Stadtmitte von Baños wird dann dagegen oft Melcoche bzw. Alfenique angeboten, eine Süßigkeit aus dem Zuckerrohrsirup, die durch endloses Ziehen und Strecken (zuschauerfördernd) in eine kaubonbonartige Konsistenz gebracht wird, oft noch mit anderen Stoffen oder Geschmacksrichtungen mit eingeknetet. Mir persönlich ist es zu süß und zu zu zäh (Plombenzieher...), viel leckerer finde ich die "dulce de mora", eine Art Quittenbrot aus Brombeeren:


Und nicht zu vergessen: Der Wachteleiervorrat fürs Handgepäck für den Rückflug, 500 Stück zu je ca. 3-4 Cent pro Stück:


Der alljährliche Umzug zur Stadtgründung von Baños am 16. Dezember:


Geistige Pantoffeltierchen gibt es scheinbar weltweit: Gleitschirmflieger, die vom Berg "Las Antenas" gegenüber von ca. 3000m starten und in Baños auf ca. 1800m landen (wollen). Ich bin zwar nur Anfänger in dieser Disziplin, aber ich bin sicher, keiner meiner Ausbilder, die immense Bergerfahrung weltweit hatten und teils Abenteurer a la Reinhold Messner waren, wäre auf diese (jährlich stattfindende) Schnappsidee gekommen, die Windbedingungen am Landeplatz sind absolut instabil, unvorhersehbar, dazu Düsenwirkung eines engen Talkessels, der Landeplatz ist kleiner als ein Fußballplatz, drumherum nur Häuser und lateinamerikatypisch ein Wirrwarr aus Telefon- und Stromkabeln. Von 10 (europäischen/amerikanischen) Gleitschirmfliegern ist nur einer (eine) vernünftig gelandet, einer ist in den Fluß gestürzt, alle anderen sind (glücklicherweise über dem Landeplatz) abgesackt wie ein Stein, ohne Rettungssystem und Rückenprotektor wäre wohl ca. die Hälfte mit gebrochenen Beinen, die andere Hälfte mit Querschnittslähmung nach Hause gefahren:



Vulkan Tungurahua, 5004m, einer der aktivsten Vulkane Südamerikas, an dessen Fuß Baños liegt:

(Täglich mehrmals stattfindende) Entstehung eine Rauchpilzes (sonst ist es meist Wasserdampf):


Der Weg bis zum Refugio/Schutzhütte auf 3800m war auch nach Ausbruch 1999 bzw. Wiederbesiedelung in 2000 problemlos für Menschen in normaler Form zu bewältigen und zu finden. Das untere Refugio ist verlassen, obwohl es neuer erscheint, 50m weiter liegt das obere, etwas "urig" bzw. ungepflegt, aber ausreichend, Übernachten und Kochen waren möglich und erlaubt und wurden auch regelmäßig praktiziert, Gebühren wurden bislang nicht wieder erhoben. Man konnte noch ca. 200hm bis ca. 4000m höher bis zu Grenzstein und Parkschild steigen, darüberhinaus war bei schlechtem Wetter oder schlechter Sicht nicht sicher, bei gutem Wetter nur mit lokalem Führer, der Weg war ab da kaum mehr zu erkennen, außerdem steil und rutschig, weiter oben kamen noch Gefahren durch vulkanische Aktivitäten dazu. Es verging kein Jahr, in dem nicht wieder Fremde bei der Besteigung des Tungurahua getötet oder vermißt oder verletzt wurden.

Seit dem erneuten Ausbruch im Sommer 2006 ist die Situation bis zum und um das Refugio unklar, die Anwohner haben dringendere Sorgen, mit ziemlicher Sicherheit hat sie sich jedoch verschlechtert und ist erheblich unsicherer geworden. Ob man noch sicher bis zum Refugio gelangen kann und in welchen Zustand Weg und Refugio sind, fragt man am besten in einer der Reiseagenturen von Baños:


Von Baños nach Puyo und Riobamba


Wasserfälle El Mantel de la Novia/Brautschleier 6km von Baños und El pailon del diablo/Die Schlucht des Teufels bei Rio Verde, 20km von Baños, Teeanbau Zulay bei Puyo:


Kaffeekirsche, Kaffeebaum, Avocadobaum, Babaco-Früchte und Blüte der Grandilla (Verwandte von Granatapfel und Maracuja, aber vieeeeel besser!) auf einer der Plantagen rund um Baños:


Chimborazo, mit 6310m der höchste Berg Ecuadors und Altar, 5320m, ein erkalteter aber nicht minder eindrucksvoller Vulkan, Spanferkelmarkt in Riobamba und alte Straße von Baños nach Riobamba (seit 1999 regelmäßig durch Asche und Schlammlawinen des Vulkans Tungurahua blockiert), stellenweise keine unüblichen Straßenverhältnisse in Ecuador, Bodenfreiheit ist oft bitter nötig, Geländewagen oder PickUp keine unsinnige Modeerscheinung wie bei uns:



Los Años Viejos/El Año Viejo/Das Alte Jahr/Die Alten Jahre:
In weiten Teilen Südamerikas werden am Jahresende lebensgroße Puppen gebaut und mit alter Kleidung versehen oder sie sind übergroß aus Pappmache und Holz. Sie stellen eine Szene oder eine Person die im vergangenen Jahr für das Land oder die Stadt oder Region von Besonderheit war, oft etwas Lächerliches bzw. Satirisches oder etwas Dramatisches oder eine Fernsehfigur, meist geht es jedoch um Politik und/oder Korruption. Bei uns wären das dann eben Schwarzgelder, Spendenaffären, Neue Heimat/Flick oder brutalstmögliche Aufklärer, in Ecuador war das Thema 2005 die Affäre Luis Cabrera, ein Anwalt, der große Summen dunkler Gelder von einer Unmenge an mittleren und höheren Beamten, Polizisten und Militärs angelegt und verwaltet hatte, was erst nach seinem natürlichen Ableben ans Licht kam. Die Años werden 1-2 Tage vor dem Jahreswechsel gekauft bzw. gebaut, die kleineren manchmal noch ein bißchen am Auto spazieren gefahren, die größeren auf dem Bürgersteig oder im Hauseingang präsentiert. Um Mitternacht werden die "alten Jahre" dann traditionell auf die Mitte der Straße gelegt, reichlich mit Benzin übergossen und angezündet, um das Schlechte des alten Jahres auszumerzen, was eine ziemliche Sauerei ist, da bei der Herstellung herzlich wenig auf umweltfreundliche Verbrennung oder Vermeidung von Plastik o.ä. geachtet wurde, eher wird noch Explosives hineingestopft, außerdem ist die Verbrennung auch ein Sicherheitsproblem, da sie alle paar Meter auch auf engen Straßen statfindet und die Figuren mehrere Meter, manchmal haushoch sind: