Schokoladenverkostungen 2005-2007

Schufterei! Voll konzentriert...
Schufterei! Voll konzentriert...


Unser erster Bewertungsbogen
V2: vereinfachter&verbesserter Bewertungsbogen (mit +/0/- auszufüllen)


Mai 2005

Unser erster Anlauf im Mai umfaßte 30 pure Bitterschokoladen von 60% Kakaogehalt an aufwärts. Obwohl uns völlig klar war, daß das viel zu viel ist, konnten wir uns beim besten Willen nicht auf weniger einigen, künftige Verkostungen werden in jedem Fall mit weniger Sorten durchgeführt.
Um ein halbwegs unvoreingenommenes Ergebnis zu bekommen, hatten wir auf jedem (Papp)Teller eine Schokolade, auf der Unterseite wurde beschriftet, welche Schokolade es ist, dann brach bzw. schnitt einer von uns alle Schokoladen in etwa gleiche, knapp fingernagelgroße Stücke, sodaß man nur noch schwer erkennen konnte, um welche Sorte es sich jeweils handelt.
Dann wurden die 30 Pappteller buntgemischt und auf dem Tisch aufgestellt und dann auf der Oberseite von 1-30 numeriert, sodaß jeder nur die Nummer der grade probierten Schokolade kannte.
Pro Person sollte man etwa 3-4 Stückchen rechnen, um mehrmals probieren bzw. nochmal prüfen zu können.

Aus den 1-2 Pfund aufgeschnittenen Resten haben wir zum Schluß die besten Sorten herausgepickt und die nächsten Tage gefuttert, das restliche buntgemischte Pfund der weniger beliebten Sorten wurde dann für Trinkschokolade "abgestellt".

Kandidaten und Ergebnisse Mai 2005

Tops Mai 2005:
Gepa 70% Edelbitter traditionell
Rausch 70% Arriba und 75% Tobago

Flops Mai 2005:
Aldi/Moser-Roth 70% Edelbitter
Reformhaus Edelbitter 72%/85%
Neuhaus 70% Extra Amer Edelbitter
Hachez 77% Cocoa D'Arriba
Allgemein preiswerte pure Sorten mit 60% und darunter (meist viel zu süß)


Juli 2005

Die zweite Runde im Juli war bereits erheblich entspannter, nur noch 15 Sorten und dazu eine vom Mai als Blindvergleich, dazu der neue, vereinfachte Bewertungsbogen. Diesmal entschlossen wir uns zu "aromatisierten" Schokoladen, also z.B. mit Orange, Frucht, Nüssen, Cafe oder Kokos, zwischen 54 und 77 % Kakao.
Diese Kombinationen sind individuelle Geschmackssache, daher ist ein Vergleich bzw. eine halbwegs objektive Bewertung schwer bis unmöglich und es ist auch kaum möglich (zu wenig Angebot, zu wenig Zeit), jeweils nur eine Sorte (z.B. nur Orange, nur Kokos) zu vergleichen.
Ingesamt war es also mehr eine "Spaßverkostung" und ohne echte Verlierer, aber trotzdem mit ein paar Gewinnern. Allerdings wie gesagt Geschmackssache, die Hachez "Gesalzene Erdnüsse" schmeckte z.B. den meisten von uns hervorragend, nur einem absolut gar nicht. Allgemein kann man sagen, daß Orangeschokoladen den meisten halbwegs zusagten, andere Fruchtaromensorten (Erdbeer, Maracuja, Cassis) stießen dagegen bei den meisten auf Ablehnung. Möglicherweise alles aber auch nur eine Frage der Gewöhnung, dunkle Orangenschokolade ist ja schon länger recht verbeitet.

Kandidaten und Ergebnisse Juli 2005

Tops Juli 2005:
Arko/Rausch Dunkle Orangenschokolade
Hachez Gesalzene Erdnüsse 77%
Wagner Peffer Edelbitter 61%

Flops Juli 2005:
Echte Flops gab es wie gesagt keine, bedauert haben wir nur die zu hohe Süße bei einigen Sorten, die mit weniger Zucker deutlich besser bis hervorragend gewesen wären, so z.B. Cluizel Dunkle Orangenschokolade und Leysieffer Salz-Schokolade.


Dezember 2005

Die dritte Runde im Dezember war mit 16 Sorten, bis auf eine Ausnahme alles pure Edelbitterschokoladen zwischen 60 und 88%. Unsere Engaggement war schon deutlich geringer, vermutlich kommt die Schokladenlust nach einigen Monaten Winter wieder... ;-)

Kandidaten und Ergebnisse Dezember 2005

Tops Dezember 2005:
New Tree 73% Noir/Edelbitter (z.B. bei Karstadt/Kaufhof)
Valrhona Plantagenschokolade Gran Couva und Palmira (teuer!)

Flop Dezember 2005:
Sarotti Purpur 78% Edelbitter mit Mandelstückchen


April 2006

Diesmal hatten wir nur 13 Sorten, eine sehr angenehme und entspannte Verkostung, sodaß Einige am Schluß sogar noch eine weitere Domiri probierten.
Schwerpunkt waren diesmal Hochprozentige "Pure", nur eine mit Chili mogelte sich versehentlich unter. Besonderheiten waren die nagelneue 80%-ige Rausch Trinitario und die Luxusedition von Domori Hacienda San Jose, reiner Criollo Kakao eines Jahrgangs, 500g in vier Kakaostärken in einer Holzbox, mit Beschreibung und DVD.
Auch wenn nur die 60%-ige enttäuschend war, die 70%-ige recht gut und die 80- und 100%-ige gut, insgesamt war ich enttäuscht von der Domori Topedition zu diesem (für uns einmaligen) Preis, eine schlecht und keine wirklich umwerfend, da bekommt man von Domori oder mit den Plantagenschokoladen von Cluizel oder Valrhona Interessanteres für ein Drittel oder Viertel des Preises.

Auffällig war wieder das nicht nur gute, sondern hervorragende Abschneiden von Rausch, alle waren unabhängig voneinander mal einer Meinung, die neue ist unser absoluter Favorit aus allen Verkostungen bisher. Damit ist Rausch ingesamt unser Favorit, bei den Hochprozentigen gibt es bei Rausch keinen einzigen negativen Ausreißer, alle sind Spitze und das bei einem unschlagbaren Preis.
Ebenfalls einer Meinung waren wir beim aktuellen Flop, erstmals hatten wir eine Amedei für alle zusammen ergattert, die berühmte und teure italienische Nobelmarke, die es wohl schon vor Domiri gab. Ein paar von uns hatten bereits andere Amedei probiert, mit ähnlichem Ergebnis, sodaß wir diese Marke vermutlich nie wieder nehmen werden.
Der Spezialitätenhändler (Schwerpunkt Tee, Kaffee und Gewürze), wo ich die Amedei entdeckte, und den ich fragte, warum sie reduziert sei und wo seine Rausch seien, meinte zu Amedei, seit Domori verkaufe die Marke sich nicht mehr, zu teuer, weniger gute Zutaten, zu wenig bekannt/zu wenig Werbung, nicht so lecker, und zu Rausch sagte er, seitdem sie bei jedem Kaffeeröster, Edeka und selbst an der Tankstelle zu haben sei, lohne sich eine solche Marke für ihn von Image und Marge her nicht mehr. Bei Amedei können wir ihm da uneingeschränkt zustimmen, bei Rausch nicht. Qualität muß nicht zwangsweise teuer sein und an umso mehr Stellen sie verkauft wird, umso besser, vieleicht kommt ja so endlich mal ein größerer Teil der Bevölkerung ein wenig vom pappsüßen Ferrero-Sarotti-Ritter-Stollwerk-Kram weg. Und krampfhaft nur für Schein und Image mehr bezahlen muß nicht sein.

Kandidaten und Ergebnisse April 2006

Top April 2006 und Top gesamt:
Rausch 80% Trinitario

Flop April 2006:
Amedei 63% La Tavoletta Fondente Extra


Februar 2007

Diesmal war das gewählte Thema "hochprozentige Milchschokoladen", da einige von uns inzwischen auf den gelegentlichen Geschmack von einigen Rausch-Milchschokoladen gekommen waren. Eine furchtbare Idee wie wir leider erst hinterher gemerkt haben, noch nie hagelte es so schlechte Noten und nie mußten wir uns so quälen.
In der Praxis muß man den Milchschokoladen aber zugute halten, daß viele bei normalem, schnelleren Essen und mit größeren Stücken oft doch noch ganz gut schmecken. Nur ob man die teils hohen Preise (lächerliche Spitzenreiter dieses Mal: die mäßige Coppeneur mit 3,90 Euro für 50g!) für eine kurzlebige Nascherei ausgeben muß, von der man meist auch noch mehr ist, sei dahingestellt...

Neu waren diesmal neben den Rausch-Milchschokoladen die italienische Nobelmarke Slitti und vor allem zahlreiche Sorten der (für uns neuen) französischen Sorte Bonnat.
Außerdem wurden noch ein paar Eigenkreationen verkostet, zum einen hochprozentige Rauschschokolade mit etwas Salzkörnern vermischt, zum anderen der Wunsch nach hochprozentigen Rausch-Milchschokoladen, da diese aber nur bis 43% gehen, wurde eine Mischung aus 80%-iger niedrigprozentiger Milchschokolade im Topf zusammengeschmolzen. Dabei fiel uns auf, daß selbst das vorsichtige Schmelzen und wieder Abkühlen lassen scheinbar Schokolade sehr weich werden läßt, die Schokolade schmeckt danach bei 20 Grad Zimmertemperatur wie im Hochsommer bzw. sehr weich und cremig, fast fettig, sodaß unser Urteil dabei schlechter ausfiel, als bei festerer Konsistenz.

Kandidaten und Ergebnisse Februar 2007

Milch-Flops Februar 2007:
- einsam an der Spitze aller bisherigen Sorten: Choco Lisa Ziegenmilchschokolade 37%, ein Fall für's Gesundheitsamt!
- Gubor Vollmilch 33%
- Gepa Bio Vollmilch 36%

Milch-Tops:
- Hachez Maracaibo mit 55%
- Bonnat Surabaya 65%
- Rausch Puerto Cabello und die Rausch-Mischung aus 80% und 35-43% Milch, trotz der ungünstigen Konsistenz nach dem Mischen! -> Rausch sollte wirklich noch eine 50-65%-ige Milchschokolade rausbringen



Was uns allgemein auffiel und Tips für Schokoladenverkostungen:

Verkostungsumfang:
bis 10 Sorten: ideal
bis 20: machbar
bis 30: Eine Qual! Gegen Ende wird der Gaumen rauh und trocken und man muß immer länger und stärker Neutralisieren. Bei mir war außerdem dann der Nachgeschmack/Abgang nur noch schwer feststellbar, alles verflog plötzlich schnell. Außerdem schmeckten mir zum Schluß auf einmal sehr süße und fette Sorten überdurchschnittlich gut.

Verkostungsweise:
Auch alleine nur für sich und mit weniger Sorten und auch mit Schokoladenerfahrung sollte man ab und zu einmal mit einem Blindversuch seine Geschmacksnerven üben und altbekannte mit neuen, teure mit billigen und einem früher unangenehme mit heute "genehmen" Schokoladen vergleichen. Die Ergebnisse könnten interessant sein...

Optik:
Farbe und Oberfäche zu beurteilen (wie z.B. bei Lindt empfohlen) erschien uns schnell ziemlich unwichtig, da bei den hochprozentigen Schokoladen fast identisch.

Geruch:
Wir konnten keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Geruch und Geschmack erkennen, weder in der Intensität noch ob gut oder schlecht.

Aromen:
Süße, Bitterkeit/Intensität und Säure sind relativ einfach feststellbar, aber ein genaues Bestimmen einzelner Aromen (wie eine bestimmte Frucht, eine bestimmte Nuß, ein bestimmtes Gewürz) ist sehr schwierig und erfordert scheinbar viel Übung (oder eine größeres Talent zu schönen Worten...)

Schmelzen:
Bei normalem Schokoladesssen ist dieser Punkt relativ wichtig bzw. auffällig, bei einer Verkostung mit sehr kleinen Stückchen sind die Unterschiede beim Schmelzen wesentlich geringer.

Neutralisieren:
Sehr gut erschien uns die Kombination aus Wasser und Brot, Wasser allein reicht bald nicht mehr.

Geschmack/Qualität und Preis:
Wie man sieht, viel Geld ausgeben ist leider keine Garantie für hervorragenden Schokoladengenuß bzw. umgekehrt muß es gar nicht teuer sein. Festhalten kann man, daß im Prinzip keine Schokolade mit hohem Kakaoanteil (ab 70%) wirklich schlecht ist, es ist einfach zu wenig Raum für "Mist". Verglichen mit den anderen taugen die zwei allerbilligsten Marken von Lidl und Aldi aber nur für den Einstieg in hochprozentige Schokolade.







Saludos & Beste Grüße
Jo & Betty