Jos kleiner Zeltratgeber
(Stand 10.4.2005. Diese Version ist nur vorläufig und noch etwas "trocken", ohne Bilder und Links.)


Zelte lassen sich nach verschiedenen Kategorien einteilen: Preis, Form, Material, Marken, Personenanzahl.

Preislich lassen sich Zelt grob in 4-5 Klassen einteilen:
1) bis 50 Euro: "Hündehütten" -> Außer vielleicht für die erste Nacht des Nachwuches im Garten nicht empfehlenswert (schwer, kurzlebig, weder zuverlässig regen- noch windfest)
2) 50-100 Euro: z.B. Aldi/Tchibo Kuppelzelte für 2-3 Personen: Auch für mehrtägige Nutzung und Regen zu gebrauchen, für wirklich lange Nutzung am Stück oder über viele Jahre oder für viel Regen oder Wind ungeeignet, außerdem noch relativ schwer
3) Hausmarken einiger großere Versender bzw. Läden von 100-200 Euro: Kompromiß aus 2) und 4)
4) Markenzelte von 250-350 Euro: Auch für mehrmonatige Nutzung am Stück bzw. langjährige Lebensdauer, auch für schlechte Wind- und Regenverhältnisse, leicht&einfach aufzubauen, defekte Teile austauschbar/nachkaufbar
5) "Nobel" und Extremzelte 400-1000 Euro: Sog. Expeditionszelte, edelste und leichteste Materialien, perfekt in Aufbau und Funktion, für extremste Wetterverhältnisse

Auf eine genauere Erklärung des Zeltmaterials wird hier verzichtet, denn hier wählen in der Regel die Hersteller bereits (sinnvoll) aus und die Details sind für den Endkunden nicht entscheidend. Vereinfacht kann man sagen, daß in der Preisklasse 1) schlechte und kurzlebige verschiedene Materialien verwendet werden und die Zelte oft einwandig sind (schlechter bei Regen und für die Lüftung) und bereits ab Preisklasse 2) zweiwandige Zelte (sehr atmungsaktives wasser- und dampfdurchlässiges Innenzelt sowie ein wasserabweisendes Außenzelt) mit guten und zwischen den Herstellern recht ähnlichen Materialien verwendet werden. Details zu den Materialien finden sich in den Beratungskatalogen besserer Fachgeschäfte und Versender (Globetrotter, KleineFluchten, Woick, usw.).

Eine (selektive) Markenübersicht folgt weiter unten.

Nach Personen unterscheidet man grob 1 Personenzelte, 2-3 Personenzelte, 4-5 Personenzelte (oft nur eine größere Version der 2-3 Personen Variante) und Familienzelte mit getrennten "Räumen" um einen hohen Mittelraum, in dem man oft sogar stehen kann. (Bild)

Im folgenden wir hauptsächlich die am häufigsten eingesetzte Zeltart eingegangen, 2-3 Personenzelte.

Nach Formen gibt es zwei Hauptformen für Zelte, die ich näher erläutern werde - Kuppel und Tunnel - und Misch- sowie Spezialformen daraus, wie z.B. Geodäten. Geodäten sind im Prinzip Tunnelzelte mit drei oder vier Stangen, die damit extrem windstabil sind, was nur bei schwerem Sturm nötig ist, daher werden sie oft auch als Expeditionszelte bezeichnet. Dafür sind sie deutlich schwerer und teurer. (Bild)


Kuppelzelt:

In der einfachsten Form bilden zwei gekreuzte Stangen eine etwa halbkugelartige Zeltform. (Bild)
Das Zelt ist oft in Längs- und Querrichtung außen fast gleich, lediglich innen befinden sich die Apsiden nur in einer Richtung.

Vorteile:
+ Zelt steht zunächst auch ohne Heringe (gut wenn es problematisch ist, Heringe in den Boden zu bekommen, z.B. bei Fels, Eis, Sand) und kann nach dem Aufbau oder zum Trocknen einfach herumgetragen oder umgedreht werden.
+ Wind- bzw. Aufstellrichtung egal
+ Durch zwei Eingänge etwas bessere Lüftungsmöglichkeiten
+ Häufig mit zwei Eingängen bei 2 Personen für jeden ein eigener Eingang und eigene Gepäckapside

Nachteile:
- Schwerer
- Wegen geringer Tiefe und flachem Winkel der Apsiden Apsidenplatz nur schlecht nutzbar, bei gleicher Apsidengrundfläche zu einem Tunnel oft nur die Hälfte an Gepäckraum


Tunnelzelt:

Bei einem Tunnelzelt stehen zwei oder drei Stangen parallel, sodaß das Zelt wie der Name schon sagt tunnelförmig aussieht. Die Stangen geben so nur in Querrichtung Stabilität, in Längsrichtung muß mit Heringen und Leinen abgespannt werden. (Bild)
Meist sind Tunnelzelte Längsschläfer (man liegt längs zum Zelt, quer zum Eingang) und haben eine große Apside und einen Eingang vorne.

Vorteile:
+ Eine große Apside besser nutzbar als zwei kleine, außerdem besser nutzbar wegen steileren Wänden
+ Leichter

Nachteile:
- Zelt steht nicht ohne Heringe und kann nicht ganz so einfach wie ein Kuppelzelt herumgetragen oder umgedreht werden.
- Bei viel Wind muß die Windrichtung beim Aufstellen beachtet werden, Zelt ist in Querrichtung windanfälliger.


Bewertung:

Ob Tunnel- oder Kuppelzelt ist immer eine subjektive Entscheidung. Früher war mir - und so wird es vielen am Anfang gehen - ein Kuppelzelt sympathischer, das einfache Aufzubauen, grade allein, dass es auch ohne Heringe steht und dass man das Zelt hinterher einfach durch die Gegend tragen oder zum Trocknen umdrehen kann. Dazu noch bei zwei Personen für jeden einen Eingang, bessere Lüftung, zwei Apsiden.

Aber heute scheint mir, umso mehr Zelterfahrung man hat, desto mehr verschwinden die scheinbaren Vorteile des Kuppelzeltes:
1.) Aufstellen, Herumtragen und auch das umgedrehte Aufstellen zum Trocknen mit zwei Heringen hat man auch beim Tunnel bald heraus, erst recht zu zweit. Ein Kuppelzelt steht effektiv auch nicht dauerhaft ohne Heringe, bis auf wenige teure Ausnahmen (Hilleberg Staika und einige wenige teure und schwere Geodäten) brauchen die meisten Kuppelzelte auch 4-6 Heringe, zum einen wegen Regen, da sonst die Zeltspannung zu gering wäre und das Außenzelt auf dem Innenzelt liegen würde, zum anderen, da das Zelt sonst nach Verlassen vom Wind weggetragen würde.
2.) Die Zeltlüftung wird nicht nur durch die Anzahl der Eingänge bestimmt, sondern auch durch gut konstruierte Lüfter. Und was nützen zwei Eingänge, wenn man sie nicht öffen kann, weil man Sorge um das Gepäck in den Apsiden hat oder bei Regen, weil es sonst auf das Innenzelt regnen würde? Und einen Privateingang braucht man auch nicht, im Endeffekt wachen eh immer beide auf, wenn einer nachts raus muß, egal welchen Eingang er benutzt.

Umso mehr stören mit der Zeit die Nachteile des Kuppelzeltes, besonders als Radfahrer:
Man hat immer ein etwas höheres Gewicht zu schleppen aber vor allem erweisen sich die zwei (kleine) Apsiden als Nachteil. Effektiv ist jede Apside in den meisten Kuppelzelten so schlecht nutzbar, das man grade mal zwei Radtaschen und vielleicht noch seine Schuhe in eine Apside bekommt. Von 4-6 Taschen, die man bei einem Zelturlaub leicht hat, Schuhen, Kocher und Geschirr kann man da nur träumen. Das ist für mich der größte Vorteil der Tunnelkonstruktion, die einfache Apsidenkontruktion vor dem Innenzelt hat daher große Vorteile. In der Grundfläche meist nicht größer als die zwei Apsiden eines Kuppelzeltes aber da es nur eine Apside ist und durch die steilen Wände viel effektiver nutzbar, ohne Mehrgewicht endloser Platz bei Regen, zum Kochen, für Gepäck und bei großen Modellen wer es braucht sogar für die Räder.
Nichtsdestotrotz ist aber ein Kuppelzelt auch eine gute Wahl und für Radreisen geeignet. Aber wer mit viel Gepäck und auch mal bei schlechtem Wetter längere Zeit unterwegs war, wird in der Regel den Vorteil des Tunnelzeltes mehr schätzen und mit den Nachteilen schnell zurechtkommen. Man kann den geringeren Apsidenplatz zwar etwas ausgleichen, indem man einfach z.B. für zwei Personen ein Drei-Personen-Zelt nimmt, aber zum einen ist es nicht jedermans Sache, viel Gepäcktaschen im Innenzelt zu haben, noch dazu wenn sie evt. sehr schmutzig sind, zum anderen erhöht das das Mehrgewicht des Kuppelzeltes noch weiter.
Muß allerdings öfter mal nur wenig Gepäck in die Apsiden, z.B. zum Wandern, oder muß es ein Zelt für extreme Bedingungen sein (Sturm, Schnee, Eis), ist ein Kuppelzelt möglicherweise die bessere Wahl.

In jedem Fall muß das jeder für sich probieren, mindestens jeden Zelttyp einmal im Laden selbst aufbauen, noch besser jeden Zelttyp einmal ausleihen (bei Freunden oder im Fachgeschäft) und mal 1-2 Nächte, am besten mit vollem Gepäck darin verbringen.

Radeignung:
Radreisen stellen etwas andere Anforderungen an Zelte als Wandern oder Reisen mit Motorrad oder Auto. Während man zu Fuß auf jedes Gramm achtet und jeden Luxus wegläßt und motorisiert ein paar Kilo oder Liter mehr oder weniger keine Rolle spielen, muß man für das Rad einen Kompromiß zwischen beidem wählen. Leicht soll das Zelt zwar sein, aber auch für das Gepäck und Regentage genügend Platz bieten.
Folgende Faktoren sollte man für Radreisen besonders abwägen:
- Größe (innen + Apsiden) für Personen, Gepäck und genügend Platz für Zelttage bei schlechtem Wetter
- Gewicht
- Gestängelänge (gut, wenn z.B. das Gestänge in eine Packtasche paßt und nicht immer eine "extra-Wurst" auf dem Gepäckträger für das Zelt nötig ist)
- Volumen im eingepackten Zustand (manche Zelte passen ohne Gestänge in eine 15l Packtasche, andere brauchen 40l, was nicht nur von der Zeltgröße sondern auch vom Material abhängt)
- Haltbarkeit

Noch einige Empfehlungen zur Platzsuche, um länger und ungetrübter Freude an seinem neuen Zelt zu haben:
Der Platz zum Zeltaufstellen ist ein Kompromiß verschiedener Eigenschaften, die man vor(!) dem Zeltaufbau bedenken sollte (besonders bei einem schwerer wieder zu verstellendem Tunnel):
- trocken (auch dauerhaft!), weich, eben, sauber, ohne harte/spitze Gegenstände, ruhig/einsam, auf einem Zeltplatz gut gelegen zu Wasser/Toillette/Küche aber nicht zu nah, windgeschützt, Bodenhärte (sind die Heringe reinzubekommen?), uvm.
Alles kann man selten realisieren, aber wichtig ist, daß man den Platz vorher grob nach Steinen uns spitzen Dingen abzusuchen, um Zeltboden und Rücken zu schonen. Falls der Boden abschüssig ist, sollt eman das Zelt zumindest so austellen, daß der Kopf nicht grade nach unten liegt. Liegt der Platz evt. in einer Senke oder ist aus Sand und verwandelt sich bei einem Regenguß schlagartig in einen Tümpel? Ist auf einem Zeltplatz möglicherweise eine starke Lampe in der Nähe , die man tagsüber nicht bemerkt und die einem nachts genau ins Zelt strahlt? Steht das Zelt bei Regen/Wind direkt unter einem Baum, sodaß Wasser, Äste, Blütenpollen oder Harz auf's Zelt fallen können?


Marken

Der folgende Abschnitt soll eine groben Überblick über die wichtigsten Marken geben bzw. die mir aus eigener Erfahrung oder durch Erfahrungen im Freunds-/Bekanntenkreis. Die Bewertungen sind eindeutig subjektiv, haben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und natürlich können Andere ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht habe.
Vielleicht helfen sie aber dem ein oder anderen bei einer ersten Auswahl. Zuerst kurz zu meinen Zeltkenntnissen:
Als Kind: Baumwollhundehütte für 2-3 Personen, 6-8 kg, vom Onkel genäht
1992-1997: 2-3 Personen Kuppelzelt, 4,5-5kg, Tchibo DM 149,-
1998: Jack Wolfskin Time Tunnel (2 Personen Tunnelzelt, ca. 4kg und DM 399,-)
2001: 6 Monate Radtour mit Tatonka Alaska 3 (3 Personen Tunnelzelt, ca. DM 599,-)
2002: Wochenendtrips mit Salewa Sierra Leone und Our Planet Chenango 3 (3 Personen Kuppelzelte, ca. 250-300 Euro)
2003: Mehrmonatiges Suchen, Vergleichen und Probieren fast aller gängigen Marken in diversen Läden, dann für ein Wechsel Outpost ZG entschieden (großzügiges ultraleichtes 2 Personen Tunnelzelt mit asymmetrischem Schnitt, 2,5 kg, 339,- Euro), bisher einige Wochenendtrips und zwei Wochen Radtour damit
Darüberhinaus Erfahrungen von Freunden und Radreisenden mit Jack Wolfskin, Vaude, Hilleberg, Tatonka und The North Face.

Hilleberg:
Der Mercedes aus Schweden unter den Zelten und vermutlich der älteste und erfahrenste Zeltbauer. Spezialität: Tunnelzelte, besonders für schlechtes Wetter und Winterbedingungen. Klassiker: Akto (Das(!) Einmannzelt), Nallo, Nammatj
Hilleberg verwendet mit die besten Materialien und macht mit die leichtesten Zelte auf dem Markt. Dafür kostet ein Hilleberg rund das Doppelte gegenüber anderen (guten) Markenzelten (600-800 Euro für ein 2-3 Personen Tunnelzelt). Da es in erster Linie Schlechtwetter- bzw. vier Jahreszeiten Zelte sind, haben besonders die beiden Klassiker Nallo und Nammatj in puncto Lüftung keinen allzu guten Ruf, das Nallo hat definitv eine schlechte Lüftung, da es aus Gewichtsgründen nur einen Lüfter hat, das Nammatj eine erträgliche Lüftung, ist dafür aber schon wieder deutlich schwerer und noch teurer. Wer definitv nur ein reines Sommerzelt sucht, für den ist Hilleberg weniger geeignet.
Ich persönlich halte Hilleberg für viel zu teuer. Auch wenn fast alle bekannten Tunnelzelte heute mehr oder weniger Nachbauten von Hilleberg sind und meist etwas schwerer, qualitativ haben inwzischen viele Hersteller Hillebergniveau. Und bei den Schweden wird auch nur mit Wasser gekocht; in puncto Heringen, Bodendichtigkeit und wie angesprochen Lüftung habe ich inzwischen in meinem Bekanntenkreis reichlich Fälle, bei denen Hilleberg sich nicht mit Ruhm bekleckert hat. Ein Hilleberg wird nie ein schlechter Kauf sein, aber der doppelte Preis zum restlichen "normalen" Markt wird meiner Meinung nach nicht ganz durch doppelte Qualität wettgemacht.

Jack Wolfskin:
Gute Zelte mit erträglichem Gewicht und fairem Preis.
Klassiker: Tunnnelzelt Time Tunnel und Kuppelzelt Yellowstone
neu&interessant 2005: Last Resort 3 RT, Real-Tunnelzelt für 2 mit genug Platz innen und in der Apside, trotzdem noch leicht und bezahlbar

Salewa:
Einsteigerzelte mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis, (meines wissens) nur Kuppelzelte, Klassiker: Sierra Leone

Vaude:
Vaude hatte Ende der 90er Jahre eine ganze Serie mit massiven Qualitätsproblemen. Leider hatten einige Freunde von mir (scheinbar) das Pech, Zelte genau aus dieser Serie zu erwischen. Seitdem ist ihre und meine Meinung über Vaude etwas skeptisch, aber ich denke, inzwischen ist das behoben und wenn es genau meine Wünsche erfüllen würde, würde ich auch zu einem Vaude greifen.

Tatonka:
Hochwertige, relativ teure und schwere Zelte, Spezialität 2-3 Personen Tunnelzelte (Hilleberg Kopien), Klassiker: Alaska.
Relativ unbekannt: Eine Leichtgewichtsserie (gleiche Zelte), aber immer noch recht schwer und deutlich teurer.
Für meinen Geschmack war Tatonka bis 2004 allgemein zu schwer für diese Preisklasse, anders ausgedrückt zu teuer für diese Gewichtsklasse.
Seit 2005 aber gibt es einige neue Modelle: Serie Orbit und Polar für 2 oder 3 (ziemlich genaue Kopien des Hilleberg Nammatj und Nammatj GT, nur geringfügig schwerer, dafür zum halben Preis), Serie Narvik und Grönland (Einstiegsklasse von Orbit und Polar, einfacheres Material, schwerer, dafür ein Drittel billiger)

The North Face:
Relativ teure, hochwertige und leichte Zelte. Schwerpunkt früher auf Highend Geodäten/Expeditionszelten, jetzt auch Einsteigerzelte. Für meinen Geschmack zu teuer, aber in den USA sehr günstig zu bekommen (speziell in factory outlets in Californien), vielleicht beim nächsten USA-Urlaub vor Ort kaufen?

Wechsel: www.wechsel-tents.de
Relativ junge Zeltschmiede aus Berlin, diverse 1- und 2-Personen Zelte, teilweise ungewöhnliche Konstruktion, zwei Linien: Basis und ultraleicht, beide Linien sind absolute Preisbrecher am Markt. Darüberhinaus durchdachte Details, die selten sind in dieser Preisklasse wie farbige unterschiedliche Gestängekanäle und Stangen, Innenzelt alleine aufbaubar Ausführlicher zu Wechsel Intrepid 2 und Outpost weiter unten
Vertrieb bzw. Bestellung z.B. durch Globetrotter (www.globetrotter.de)
neu 2005: Intrepid 3, Tunnelzelt für 3, aber im Vergleich zu anderen Wechsel relativ schwer und teuer

Four Seasons:
Hausmarke vom Globetrotterversand, sehr günstige Einsteigerzelte in mittlerer Qualität. Keine Leichtgewichte und nicht perfekt aber genau richtig für die ersten Erfahrungen für jemand, der mehr als ein reines Wochenendzelt braucht bzw. etwas mehr als Tchibo&Aldi Qualität aber noch nicht viel Geld ausgeben will.
neu&interessant 2005: Helix und Grand-Trail: Leichte Tunnelzelte für 2 oder 3, Explorer: echter Geodät für 2 mit nur 3,5kg, Yukon: Nullheringskuppelzelt a la Hilleberg Staika, etwas kleiner, dafür nur ein Drittel des Preises

Our Planet:
Hausmarke von Sine/Bicycles, geringfügig preiswerter als bekannte Marken, dafür wird aber in den Details (Abspannungen, Gestängekanäle, Gestängebefestigung, Aufbau, usw.) gespart, sodaß die Zelte unterm Strich nicht preiswerter als ein Markenzelt sind. Lieber etwas mehr ausgeben oder zu einem wirklich Preiswerteren, z.B. Four Seasons greifen.


Bewertung einiger Zelte aus eigener Erfahrung:

Jack Wolfskin Time Tunnel
Solides, haltbares und einfach aufzubauendes Tunnelzelt zu einem fairen Preis. Für 2 fand ich persönlich es etwas eng, keine Möglichkeit für viel Gepäck innendrin und da es nur zwei Stangen hatte, bot es auch keine große Apsis und es gab meines wissens auch keine größeren Varianten.
Heute soweit ich weiß durch die Real Tunnel (RT) Serie abgelöst, die etwas teuer und deutlich schwerer ist, dafür extrem windstabil und robuster.

Tatonka Alaska 3
Das Tunnelzelt schlechthin, an dem fast jeder hängenbleibt, der sich kein Hilleberg leisten kann oder will. Die Alaskas bieten eine zuverlässige und ausgereifte Konstruktion, wer nicht grade unter Orkanbedingungen zeltet oder das Zelt mit Gewalt mißhandelt wird weder bei Dauerregen noch auf langen Touren noch nach vielen Jahren im Stich gelassen.
Auf der anderen Seite gehört Tatonka zu den teureren Markenzelten und dafür sind die Alaskas erschreckend schwer und haben so gar nichts von der Leichtigkeit anderer Tunnel und auch sonst keine besonderen Features. Insgesamt wog unser Alaska 3 mit allem Zubehör Packsack und Unterlage über 5 kg. Für zwei Personen eindeutig zuviel!
Zusätzlich störte uns auf unserer sechsmonatigen Großbritannien&Irland-Radtour noch Folgendes:
- Zeltbelüftung ist schlecht, hohe Kondenswasserbildung über dem Innenzelt
- Zelt ließ sich nie wirklich "faltenfrei" abspannen
- Das Innenzelt fing nach ca. zwei Monaten an zu schimmeln, obwohl wir es bis auf wenige Ausnahmen immer völlig trocken einpacken konnten und wenn einmal nicht, dann spätestens am nächsten Tag. Reinigung mit Hausmitteln (Bürste, Eimer, leichte Seifenlösung) brachte keine Besserung, Schimmelmittel wollten wir unseren Lungen nicht antun und Waschmaschine kam wegen der Bodenbeschichtung nicht in Frage. Nach unserer Rückkehr konnte auch der Hersteller nicht helfen und wir wurden auf ein neues Innenzelt verwiesen, daß 50% des gesamten Zeltneupreises kosten sollte, worauf wir verzichtet haben. Wir haben noch mit keinem Zelt sonst jemals Schimmelprobleme gehabt, sind aber auch noch mit keinem anderen mehrere Monate am Stück durch britische Inseln gezogen.

Salewa Sierra Leone
Das Kuppelzelt schlechthin zu einem fairen Preis.
Nach einem halben Jahr Radtour im Tunnel, war das das erste Marken-Kuppelzelt, das wir zum Radfahren probierten. Im großen und ganzen haben wir hier unsere Hauptschwächen des Kuppelprinzips für Radreisen bemerkt, die andere Kuppelzelte in der Regel auch haben:
- Es störte uns ganz massiv der geringe Apsidenplatz, der viel zu klein ist für 2 Radler mit je 5-7 Taschen. Auf dem Boden gemessen sind es zwar zwei Apsiden a 90 cm, also scheinbar reichlich Platz aber durch die Schrägen bekommt man in jede Apside vielleicht zwei Backroller, so man noch rein und raus will. Und selbst dabei stoßen sie noch ans Innen- oder Außenzelt an bzw. kippen da gerne rein und werden dann bei Regen naß und nerven einfach nur.
- Das Zelt hat zwar 220 cm Liegelänge aber man kann nichts mehr vor den Kopf oder unter die Füße stellen (z.B. Lenkertasche), sonst man stößt an (Querlieger). Bei einem Tunnel mit auch nur 220cm Liegelänge geht das weil Längslieger und steilere Wände.
- Das Innenzelt ist zwar ähnlich breit einem 3er Tunnel, aber zu schmal für 2 und Gepäck, außerdem würde man sich beim Querlieger so einen Eingang zustellen, so man keine Barriere zwischen sich haben will. Bei einem Tunnel für 3 geht das, da real breiter und Längslieger.
- Das Zelt ist zwar einfach im (Handling/Aufstellen/Verstellen/Umdrehen&Trocknen) aber real braucht man mind. genauso viele Heringe oder gar mehr als beim Tunnel, sonst berührt z.B. die Seitenwand das Innenzelt.
- Schwer
- Positiv sind der einfache Aufbau und die Robustheit des Zeltes, wir kennen mehrere Paare mit über 10jähriger intensiver Nutzung ihres Sierra Leone.

Our Planet Chenango 3
Geringfügig preiswerter Nachbau des Sierra Leone, dafür in Verarbeitung und Materialien schlechter, sodaß es sehr wahrscheinlich weniger lang haltbar ist. Definitv schwieriger ist der Aufbau, die Splinte in den Bodenschlaufen des Zeltes in die Stangen zu bekommen ist jedesmal eine unnötige Überdehnung von Zelt und Stangen und bei Dunkelheit oder z.B. mit Handschuhen kaum mehr möglich.

WechselPathfinder ZG
Eine Kopie des Einmannzeltklassikers Hilleberg Akto mit ähnlich revolutinärem Gewicht bei halbem Preis. Das Pathfinder hat nur einen gravierenden Mangel, der einen nicht betreffen sollte oder mit dem man sich abfinden muß: Mit nur 75cm Innenhöhe stoßen sich Personen ab 1,75 ständig den Kopf bzw. können nicht aufrecht drin sitzen, was mehr als lästig sein kann. Im Prinzip ist es daher nur für normalgroße Frauen oder sehr kleine Männer geeignet. Wechsel sollte dieses Manko unbedingt beheben, auch wenn das einen kompletten Neuschnitt des Zeltes bedeutet.

Wechsel Intrepid ZG
Der Tunnel-Allrounder von Wechsel ist das Intrepid, eine Kopie des Hilleberg Nallo 2 GT, bei gleichem "Fliegengewicht" aber halbem Preis. Ideal für zwei schmale Personen bzw. wer wenig Platz im Innenzelt braucht.

Wechsel Outpost ZG
Dieses Wechsel ist unsere neueste Errungenschaft und unser Nachfolger des Alaska 3, daher darüber jetzt etwas mehr. Uns persönlich drängte es nach etwas mehr Breite und Höhe (wenn man von einem Alaska 3 verwöhnt ist...) als das Intrepid und da war das Wechsel Outpost für uns als Paar mit einer kleinen und einer großen Person ideal, das Innenzelt ist nämlich asymmetrisch bzw. schräg (ab)geschnitten (Bild), eine Seite kürzer als normal, eine Seite länger. Beim ersten Anblick wirkt das sehr ungewöhnlich, aber es ist ideal für unterschiedlich große Partner wie uns und bietet auch 2m Leuten (ich bin keiner) genug Platz, sogar noch für Taschen am Kopf oder bei den Füßen. Umgekehrt ist es dadurch aber für zwei größere Personen über 1,80 bzw. zwei Männer ungeeignet. Ingesamt gibt es reichlich Platz für zwei mit viel Gepäck (für Hilleberg-Experten: Der Innenraum ist bis auf den schmalen Fußraum ähnlich groß dem Nallo 3, die Apsis etwas kürzer als die des Nallo 3 GT). Durch den schmalen Fußraum ist es aber definitiv nur für zwei geeignet.
Vorteile:
++ Zelt allein wiegt nur 2,5 kg, mit Unterlage 2,9 (wird mitgeliefert und sollte unbedingt benutzt werden)
+ Aufbau ist sehr einfach und auch alleine möglich, Gestänge funktionert leicht und geht einfach in die markierten Kanäle, Nachspannen sehr einfach, einfaches Ein- und Aushängen des Innenzeltes
+ 6 Heringe ausreichend
+ Drei Aufbauvarianten: Nur Außenzelt, nur Innenzelt oder beide auf einmal
+ Gestänge zusammengelegt nur 35cm lang (paßt noch in einen Ortlieb Backroller), Zelt durch das federleichte Material sehr klein zusammenlegbar, paßt sogar in einen Frontroller
+ Alle Eingänge gehen zur Seite auf, sodaß sie nicht im Weg rumliegen bzw. man nicht drauftrampelt. Auch das Säubern des Zeltes ist so leichter.
+ Farbe (sand) ist ideal, unauffällig und hell, sodaß man abends ein paar Minuten länger Licht hat und es morgens ein bißchen länger aushält, bevor es zu heiß im Zelt wird, außerdem werden so weniger Insekten angelockt.
++ Preis: In der Ultraleichtversion wie andere (schwere) Marken und nur die Hälfte von Hilleberg aber bei Leistungen wie Hilleberg. In der Standardversion ähnlich wie anderen Markenzelte aber deutlich günstiger
Nachteile:
- Heringe sind zwar extrem leicht aber zu kurz, sollten ausgetauscht werden
- Der Zeltboden ist am Limit von Widerstandsfähigkeit und Wassersäule. So kann beispielsweise Hinknien direkt auf den Boden wenn unter dem Boden viel Wasser steht oder (versehentliches) Hinknieen auf harte/spitze Gegenstände (z.B. Schlüsselbund) zu Wassereindringen oder Löchern führen. Wer auch mit 300g Mehrgewicht leben kann, sollte Wechsel stattdessen um das Innenzelt der robusteren Travelline Version bitten. Außerdem kann man mit diesem Innenzelt auch mal ohne Unterlage auskommen und dann ist es nicht mehr schwerer. Wir haben uns dieses Innenzelt zu einem fairen Preis zusätzlich zugelegt und entscheiden jetzt immer vorher "ultraleicht oder robust?".
- Eingang hakelt und fällt beim Öffnen immer auf den Boden, sodaß der Reißverschluß unnötig verschmutzt
Fazit:
Fünf Sterne, ein ultraleichtes Zelt in Hilleberg-Qualität zum halben Hillebergpreis!


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